STILLE VERGRÖßERT VOM HIMMEL
Samstag, 10. Oktober 2026, 19 Uhr, Universitätskirche St. Ludwig
PROGRAMM
STILLE vergrößert vom HIMMEL
Farzia Fallah (*1980)
A la garganta (UA der Fassung für Stimme und Orgel) - nach Texten von Frederico Garcia Lorca und Forough Farrokhzad
Olivier Messiaen (1908 - 1992)
aus: Messe de la Pentecôte: IV. Les oiseaux et les sources - Die Vögel und die Quellen
Salome Kammer (*1959)
Nachtigall - nach einem Gedicht von Johann Matthäus Bechstein (1757 – 1822)
Olivier Messiaen
aus: Livre du Saint Sacrement: XV. La joie de la grâce – Die Freude der Gnade
aus dem Liederzyklus Harawi: V. L‘amour de Piroutcha – X. Amour oiseaux d’étoile
Stephan Heuberger (*1963)
Sophia (2014) für Orgel solo
Rompe la tela (2017) - …me enamoras (2026) nach Juan de la Cruz für Stimme und Orgel
Olivier Messiaen
aus: Livre du Saint Sacrement: X. La Résurection du Christ – Die Auferstehung Christi
Salome Kammer, Stimme - Stephan Heuberger, Orgel
Eintritt frei!
Die ersten Partiturtakte von "Amour oiseaux d'étoile" aus dem Zyklus "HARAWI - Lieder von Liebe und Tod" sind in Olivier Messaiens Grabstein eingemeißelt. Dieses Lied in der Mitte des Programms war Messiaen besonders wichtig, der Komponist und hier auch Textdichter verwendet darin die Formulierung "STILLE vergrößert vom HIMMEL" - das Durchleben der irdischen Liebe wird zum spirituellen Weg, die große Sehnsucht führt ins Transzendente, ihre "Stillung" führt weit über das irdische Erleben hinaus. Die Stimmen der Vögel sind für Messiaen dabei wichtige Begleiter, sie symbolisieren für ihn die innere Freiheit, dem eigenen Weg zu folgen. In den beiden Orgelsätzen "Die Vögel und die Quellen" und "Die Freude der Gnade" bilden Vogelstimmen die Grundlage der Musik.
In einem überraschend "modernen" Laut-Gedicht widmet sich J. M. Bechstein dem Gesang der Nachtigall. Da die Nachtigall zu den ganz wenigen Vögeln gehört, die auch Nachts zu hören sind, und ihre Gesänge einen faszinierenden Reichtum von Klang- und Geräuschfarben enthalten, war sie von je her ein Symbol für die Sehnsucht. Salome Kammer schafft mit ihrer "Lesart" des Gedichts auf unnachahmliche Weise ein Werk im Grenzbereich von Sprache, Geräusch und Tönen.
Niemand kann den Wert der Freiheit besser verstehen, als die in Teheran geborene Komponistin Farzia Fallah. Ihr zu Beginn erklingendes eindringliches Werk "A la garganta" ist Ausdruck von schmerzlicher Verletzung wie der Sehnsucht nach Entfaltung des Lebens. Sie verwendet dabei einen Text der persischen Dichterin F. Farrokhzad und Teile eines Gedichtes des großen spanischen Dichters Frederico Garcia Lorca.
Lorca gehörte im 20. Jahrhundert zu den (Wieder-)Entdeckern von Juan de la Cruz, der als Dichter, Mystiker, Ordensgründer das spanische "goldene" Zeitalter des 15. Jahrhunderts nachhaltig geprägt hat - und später nicht nur die spanischsprachige Dichtung des 20. Jahrhunderts beeinflusst hat. Den Weg zu Gott drückt Juan de la Cruz in der Sprache leidenschaftlicher Liebesgedichte aus ohne dabei theologisches "Fachvokabular" zu verwenden. Genauso wie der Wortsinn ist dabei der reine Klang, die Musikalität seiner Sprache Ausdruck seiner tiefen Spiritualität. Zwei Strophen von Juans letztem Gedicht "Llamma d'amor viva" verwendet Stephan Heuberger in seinen Stücken für Stimme und Orgel, die versuchen die Klangfarbenvielfalt sowohl der Stimme als auch des Instrumentes auszuloten, besonders im Bereich der zarten und zerbrechlichen Klänge an der Schwelle zur Stille.
Bild: Michael Wittenbruch, in: pfarrbriefservice.de